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    Parasitosen -
    ...ursächlich für viele Probleme

    Ein Bericht von Mirko Kautz

    Immer wieder stellen wir fest, daß ein Parasitenbefall häufig als Todesursache diagnostiziert wird. Uns sind auf diese Weise leider auch selbst einige Tiere verstorben, so daß wir die Notwendigkeit sahen, uns mit dieser Thematik etwas genauer auseinanderzusetzen.

    In der Natur leben Wirt und Parasit in Abhängigkeit voneinander. So findet man gerade bei Parasiten extreme Spezialisierungen auf ihren Lebensraum. Wir müssen daher erkennen, daß Parasiten zum normalen Lebenszyklus im natürlichen Habitat gehören und dass erst durch die Terrarienhaltung und den damit verbundenen begrenzten Lebensraum bzw.die eingeschränkten Anpassungsmöglichkeiten das Gleichgewicht gestört und die Sache damit problematisch wird. Gerade Wildfänge und Farmzuchten sind von Endoparasiten übersäht, was meist kurz über lang zum Ableben des Pfleglings führt. Auch der Hinweis auf "DNZ" sollte die Problematik nicht entschärfen.

    Derzeit liegen für Parasiten noch keine einheitlichen Behandlungsmethoden vor, so daß jeder Reptilienhalter aufs Neue experimentieren muss. Die Medikamente für die Behandlung kommen zum größten Teil aus der Nutz- und Haustiermedizin, wobei Nebenwirkungen, gerade in Bezug auf den Stoffwechsel von Reptilien, weitestgehend unerforscht sind.

    Wir möchten bei diesem Kurzbericht voraussetzen, dass jeder die Quarantänemaßnahmen bei neu erworbenen Tieren kennt und diese auch dementsprechend umsetzt. Die durchschnittliche Quarantänedauer liegt bei unseren Tieren bei ca. 6-8 Wochen. Hauptsächlich sammelten wir unsere Erfahrungen bei Chamäleons und Leguanen, die teilweise als Wildfangtiere zu uns kamen.

    Grundsätzlich kann man Parasiten in zwei große Gruppen einteilen.

    Ektoparasiten:
    Ektoparasiten sind die Parasiten, die äußerlich am Wirt schmarotzen. Zu ihnen zählen hauptsächlich Milben, Zecken und Flöhe.

    Diagnose:
    Ektoparasiten können visuell erkannt werden. Milben lassen sich zB. unter den Achseln, in Augenlidern, in Hautfalten usw. sehr gut ausfindig machen. Eventuell kann man auch das Tier durch ein leicht befeuchtetes weises Küchenrollenpapier gleiten lassen.

    Behandlung:
    Grundsätzlich sollte die Behandlung bei Chamäleons und auch allen anderen Reptilien mit dem Tierarzt abgestimmt werden. Es ist zwar etwas verwunderlich, aber der Befall von Ektoparasiten scheint bei Chamäleons, zumindest nach unseren Erfahrungen, nicht sonderlich häufig aufzutreten. Genau aus diesem Grund kann ich bezüglich der Behandlungsmethoden nichts näheres ausführen.

    Endoparasiten:
    Sind Innenparasiten, die in einem Organismus leben.

    Die Diagnose erfolgt durch die parasitologische Kotuntersuchung, eines der wohl wichtigsten diagnostischen Hilfsmittel in der Reptilienmedizin.

    Man unterscheidet dabei 3 Untersuchungsmethoden

    Visuelle Diagnostik:
    Bei dieser Untersuchungsmethode wird der Kot nach Auffälligkeiten wie zB. Bandwurmgliedern, Blutfärbungen, Blasenbildung, unverdauten Futtertierrückständen usw. durchsucht. Diese Methodik dient der Grobeinschätzung auf einen eventuellen Parasitenbefall.

    Nativuntersuchung
    Ein linsengroßes Stück Kot, bevorzugt aus der Schleimpartie, wird unter 1-2 Tropfen physiologischer Kochsalzlösung auf den Objektträger positioniert und unter dem Mikroskop bei ca. 100facher Vergrößerung durchgemustert. Bei dieser Untersuchungsmethode kann man gegebenenfalls Amöben, Flagellaten, Ciliaten durchs Bild kriechen sehen. Auch einige Wurmlarven lassen sich durch ihren Bewegungsdrang leichter erkennen. Auffälligkeiten werden ca. 400fach herangezoomt.

    Anreicherungsmethode
    Bei diesem Verfahren gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten. In diesem Verfahren sollen Parasitenstadien aufgedeckt werden, die nur in geringer Menge im Kot enthalten sind. Wir beschränken unsere Untersuchungen derzeit auf die Flotationsanreicherung. Ein Teil des Kotes wird in gesättigter Kochsalzlösung aufgeschwemmt und bei Zimmertemperatur ca. 7 Minuten stehengelassen. Die auftreibenden Nematodeneier und Coccidien-Oozysten treiben durch ihr geringeres Eigengewicht nach oben und können mit einer Metalöße auf den Objektträger überführt werden. Bandwurmeier müssen vom Grund des Reagenzglases mittels Pipette geholt werden. Dies nennt man dann Sedimentationsverfahren. Auf einem Objektträger bringen wir diese zwei Proben nebeneinander unter und diese werden anschließend bei ca. 100facher Vergrößerung durchgemustert.

    Problem der Zuordnung
    Viel schwieriger stellt sich die Zuordnung der einzelnen Parasiteneier bzw. Wurmlarven in ihren verschiedenen Entwicklungszyklen dar. Die genaue Bestimmung der einzelnen Parasiten ist Vorraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Bei meiner Recherche habe ich festgestellt, daß es sinnvoll ist, sich zumindest auf die dokumentierten Endoparasiten zu beschränken. Darüber hinaus ist es wichtig zu wissen, daß nicht alle Endoparasiten ursächlich für einen pathogenen Gesundheitsverlauf sind.

    Behandlung:
    Je nach Art des Parasiten greift, nach Absprache mit einem Tierarzt, ein entsprechendes Wurmmittel. Die meisten Wurmmittel werden an 1-3 aufeinanderfolgenden Tagen oral verabreicht und verlangen einen Wiederholungszyklus von 2 Wochen. Eine anschließende erneute parasitologische Kotuntersuchung ist für die Erfolgsbestimmung notwendig. Dabei ist zu bemerken, daß das in der Terraristik weitbekannte Panacur (Wirkstoff Febendazol) nicht unbedingt bei allen Nematoden erfolgreich wirkt. Die von uns verwendeten Präparate, wie zB. Flubenol, Flagyl400, Clont, Helmex, Baycox usw. kommen individuell, dosiert nach dem Körpergewicht der Tiere, bei vorhandenem Befall zur Anwendung.

    Gleichzeitig ist es sinnvoll, die Behandlung mit "bird-bene-bac" abzuschließen, da bei sehr intensiven Wurmkuren, eventuell in Verbindung mit einem Breitbandantibiotikum, die Darmflora der Tiere stark angegriffen werden kann.

    Terraristikanzeiger


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